Selbstsuche, was ist das? Nun ich denke es ist der Versuch sich selbst zu finden. Das wirklich witzige dabei ist der Begriff an sich – Selbstsuche - , sagt er doch viel mehr aus als es den Anschein hat.

Stellen Sie sich nun einen Menschen vor, der in einem großen Gebäude von allen Aspekten seines Seins umgeben ist. Ich werde versuchen ein Konstrukt aufzubauen, dass es Ihnen ermöglicht einen neuen Betrachtungswinkel auf die eigenen Person zu erlangen. Also bloß eine „andere“ Sichtweise, nicht mehr!

 

Grundbedürfnisse, Triebe und das Überleben

Im Keller unseres Seins befindet sich der Wunsch nach Sicherheit, Geborgenheit, und Stabilität, die Grundbedürfnisse bilden also unser Fundament. Die Sicherheit immer Essen zu haben, Die Geborgenheit der Wärme, und die zeitliche, fortwährende Stabilität dieser Faktoren. Hier nehmen wir den Einfluss Anderer gerne in Kauf, sofern sie dazu beitragen, dass diese Grundstruktur erhalten bleibt. Unsere emotionale Grundbefindlichkeiten und unser Charakter sind die Grundschwingung, die ersten Resonanzen, in diesem Gebäude. Auch unsere Triebe unkontrolliert und roh. Hier im Keller unseres Seins geht es ums nackte Überleben. Nichts, was wir gerne nach außen tragen, deshalb habe ich es in den Keller verbannt, denn der ist von der Straße aus nicht einsehbar! In unserer Erziehung werden nun diese Grundversorgung, die Charakterbildung (also die Domestizierung unserer Emotionen) und unsere Triebe fein säuberlich in einzelne Räume aufgeteilt. Und jene, denen wir diese Grundversorgung zugestanden haben, bestimmen hier mit, was, wo, wann, wer, wie oft, wie lange,…. zu tun ist, zu ertragen ist, zu verändern ist,….

Dafür sind wir frei von der Verpflichtung, uns selbst zu erhalten! Andere sorgen dafür, dass es uns an nichts fehlt. Sie sehen, dass es bereits im Keller anfängt mit der Unübersichtlichkeit oder mit dem Durcheinander unseres Wesens. Wie viel von uns Selbst am Ende aus dem Keller kommen wird oder gekommen ist, ist völlig ungewiss. Aber genau darum geht es ja auch. Finden Sie heraus, was tatsächlich ihrem Wesenskern entspricht, und was von Ihnen dem „Richter“ unterworfen wurde, den Regeln und Normen unserer Gesellschaft. Was wurde Ihnen auferlegt, was davon sind sie selbst.

 

Das Ego

Im Erdgeschoss sieht die Sache schon anders aus. Hier übernehmen wir die Kontrolle. Ich sage wo’s lang geht. Hier ist der Wunsch nach Unabhängigkeit, nach Individualität, die treibende Kraft. Man möchte sich von anderen unterscheiden, wichtig sein, wertvoll sein, nein besser noch: unentbehrlich. Und dafür nehmen wir so einiges in Kauf. Diese Etage entspricht dem Leistungsprinzip, dem Besitzprinzip. Mein Haus, mein Titel,….u.v.a. mehr. Wichtig ist, dass alles was man Besitzt, alles was man an Anerkennung erreicht hat, alle Trophäen die man gesammelt hat, meine Stellung im Beruf, nur in dieser Etage sind auch das gesamte Wissen, also auch der geistige Besitz muss hier Platz haben. Das Ich ist die Bezeichnung für die eigene Person. Das Ich bezeichnet eine von anderen Personen getrennte individuelle Identität. Es wird erlebt als das „persönliche Sein“. Nur Ich weiß was ich fühle; und nur ich alleine weiß, was ich denke; ich bin es, der handelt; ich bin der Urheber all meinen Werken... Das „Ich“ ist sogar unser „Persönlichkeitsmittelpunkt“ und unser „Identitätsmittelpunkt“, es ist auch jede Erscheinungsform nach außen hin, also anderen gegenüber. Wir repräsentieren unserm Gegenüber beinahe ausschließlich unser Ich!

Das Ich ist unsere Identität! Und wir definieren uns in unserer Gesellschaftsform auch beinahe nur über Parameter es Ichs. Wir erleben unseren Körper als Ich, ja selbst unsere kleinsten Bausteine unsere DNA, denn gerade die ist es, die uns von allen anderen Personen unterscheidet. Wenn wir unsere „Person“ (≠ „uns selbst“)darstellen, also ausdrücken möchten, wer wir sind, dann reden wir von unserer Herkunft, unserer Kindheit, unserer Ausbildung samt Titeln, unserem Beruf, unserem Besitz, unseren Hobbys, unseren Familien, was wir mögen und was nicht,…

 Das ich ist unser Schutzschild unser Motor,……

 Doch das Ego bekommt so eine viel zu negative Konnotation. Es ist vielmehr eine Balance zwischen Exploration und Todesangst. In diesem Spannungsfeld sollte man das Ego betrachten, dass jeder Schritt nach vorne mit zusätzlicher Angst betrachtet wird. Es ist doch eine großartige Leistung, die das Ego da bringt, die Waage zu halten, oder?

 

Der Wesenskern

Nun . Soweit klar? Alles da, was mich in dieser Etage ausmacht? Also, dann wollen wir doch mal sehen, wo sich denn in all unseren Habseligkeiten und Besitztümern unser Selbst versteckt hat. Meist ist es so, dass wir unser Selbst über die Zeit verschüttet, es weggeschlossen, es hinter und unter unserem Ego vergraben haben. Es sollten aber dennoch in manchen Dingen unseres Ichs tatsächlich Aspekte unseres Selbst zu finden sein. Nehmen Sie sich einen Zettel zur Hand und schreiben Sie alles auf, was Sie an dieser Stelle als Teil Ihres Selbst betrachten würden. Oder worin Sie Teile Ihres Selbst vermuten. Hier ein Beispiel: In einem Musikinstrument kann sich die eigene Liebe zur Musik zeigen, also ein Teil von einem Selbst sein, es kann aber auch die Verpflichtung der Eltern zum Erlernen dieses Instrumentes sein oder ein Aspekt des Ichs sein, wie toll ich doch bin, wie gerne ich anderen zeige, was ich nicht alles kann. Meist ist es eine Mischung von allem. Nehmen Sie alles genau unter die Lupe. Dies kann eine Weile dauern, aber es ist eine gute Übung für die Wahrnehmung, mag sie auch noch so verzerrt sein. Jede Woche einen Aspekt zu betrachten mag nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen, aber es regelmäßig zu machen hilft viel dabei, sich selbst besser kennen zu lernen.

Uns ist oft nicht bewusst, dass vieles, was uns ausmacht, ein Produkt von vielen Aspekten ist.

Beachten Sie aber auch jene Aspekte, die verloren gegangen sind. Einige mögen unwichtig sein und sind es nicht wert, gesucht zu werden, andere wiederum können so wichtig sein, dass wir uns nie vollständig gefühlt haben, weil wir sie weggeschlossen haben.

Hier ein Beispiel: Anfangs sind es nur Kleinigkeiten die wir wegschließen. Ein singendes Kind wird des Öfteren ermahnt, auf andere Rücksicht zu nehmen und damit aufzuhören. Beim Begräbnis eines nahen Angehörigen sollte man nicht lautstark Schluchzen, sondern sich zusammenreißen. Viele unserer Bedürfnisse werden von Regeln, Normen und vor allem vom „nicht richtigen Zeitpunkt“ – „nicht jetzt“ unterbunden und verändern so nach und nach unser Wesen. Wir werden also kultiviert. Danke übrigens! In einer gesunden Gesellschaft erleichtert die Kultivierung unser erwachsen werden, in einer nicht gesunden Gesellschaft verzerrt die Kultivierung unser erwachsen werden, bis hin zu den groteskesten Formen der „Zivilisation“. Heute gilt der Grundsatz: „Keiner sollte sehen, was hinter der Maske der eigenen Persönlichkeit steckt.“ Wir haben uns einge-igelt. Eine Mauer um uns aufgebaut, und diese Festung wird Tag und Nacht bewacht. Zum - Schein - sein - sind unsere Bedürfnisse, jene, die man als angebracht erachtet.

Wenn es als schick gilt, dass wir uns immer im Anzug ins Büro begeben. So entsteht, bei dem einen oder anderen das Bedürfnis mit einem Anzug ins Büro zu gehen, anstatt mit einem Jogginganzug. Viele würden diese Idee sogar als Äußerst unangebracht erachten. Doch was spricht dagegen?

Warum suche ich mein Selbst? Und wie kann ich es finden?

Durch reine Introspektion kann das Selbst nicht zu finden sein, denn auch meine augenblickliche Umwelt ist Teil meiner selbst und konstituiert es mit.

Es geht auch darum, dass der Kern unseres Selbst nicht nur aus uns selbst gespeist sein kann. Weil er symbiotisch mit der Umwelt verbunden ist. Ähnlich wie einem Baum, der mit dem Boden verbunden ist und ohne die Erde nicht leben kann, ist der Boden, auf dem er steht, maßgeblich für sein Wesen. Weil trockener Boden den Baum anders entwickelt, wie zu Beispiel ein feuchter, humusreicher. Woraus man schließen kann, dass das Wesen des Baumes unverrückbar mit seiner Umwelt in Verbindung steht.

Die Frage, die man sich jetzt stellen muss, ist: in wie weit spiegelt sich unser Selbst in der Symbiose?

 

Suche ich mich Selbst, weil ich vor lauter Ich mein Selbst nicht mehr sehen kann?

Warum bin ich nicht einfach Selbst?


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